Alle gegen einen

Mobbing keine Chance lassen

Mitarbeiter vor Mobbing schützen

Konflikte zwischen Beschäftigten belasten das Betriebsklima. Wenn ein bestimmter Mitarbeiter ständig zur Zielscheibe wird, leidet seine Produktivität – und seine Gesundheit. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter schützen und können dazu beitragen, Mobbing von vorneherein zu vermeiden. Und zwar mit einer positiven Betriebskultur.
 

Fiese Attacken können in ganz unterschiedlichen Formen auftreten. Laut Heinz Leyman, einem der deutschsprachigen Pioniere der Mobbingforschung, zeigt sich Mobbing am Arbeitsplatz in fünf unterschiedlichen Dimensionen, die einzeln oder gehäuft auftreten können. Mobbing ist demzufolge ein Angriff auf:

  •     die Möglichkeit, sich zu äußern: Mobbingopfer werden ständig unterbrochen oder von Kommunikationsprozessen ausgeschlossen. Es gibt Fälle, in denen Chefs in einer Rundmail anordnen, mit einem bestimmten Miterbeiter nicht mehr zu sprechen.
  •     die sozialen Beziehungen: Die Betroffenen werden isoliert, der Kontakt wird ihnen verweigert.
  •     das soziale Ansehen: Betroffene werden vor anderen lächerlich gemacht, beschimpft oder müssen demütigende Aufgaben erledige

Opfer und Täter

Der dicke Kollege, die kleine Kollegin, das graue Mäuschen oder der aus der Rolle fallende Paradiesvogel – eine Auflistung typischer Mobbing-Opfer? Nein, sagt Mobbingforscher Dieter Zapf vom Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie der Goethe Universität Frankfurt am Main: „Mobbing kann jeden treffen. Ein typisches Opferprofil gibt es nicht.“ Das liegt daran, dass die Ursachen von Mobbing ganz unterschiedlich sind.

Neid ist ein häufiges Motiv, andere zu schikanieren und die eigene Position im Unternehmen dadurch zu festigen. Auch eine schlechte Arbeitsorganisation führt zu häufigen Konflikten, die in schweren Fällen eskalieren können. Die Forschung zeigt, dass besonders unflexible Personen oder Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl und geringer Verteidigungsbereitschaft leichter zur Zielscheibe werden. 

„Die allgemeine Auffassung, dass ein niedriges Selbstwertgefühl auch ein typisches Merkmal der Täter ist, ist jedoch ein Irrglaube“, sagt Zapf. Wer an sich selbst zweifelt, greift andere nicht an, so der Mobbingforscher. „Die Täter verfügen meist über ein hohes, aber instabiles Selbstwertgefühl. Sie müssen jeden angreifen, der ihren Glauben an sich als ‚tollen Hecht’ erschüttern könnte.“

Schikanieren ist strafbar

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar. Zielgerichtete Schikanen sind ein Angriff auf das Persönlichkeitsrecht eines Menschen, das durch das Grundgesetz geschützt ist. Mobbing-Handlungen wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung oder Körperverletzung können nach dem Strafgesetzbuch geahndet werden. Unternehmen haben eine Fürsorgepflicht. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz können sich Mobbing-Opfer bei ihrem Arbeitgeber beschweren, der die Beschwerde prüfen und die Situation entsprechend verbessern muss. 

Obwohl die Studienlage eindeutig zeigt, dass körperliche und seelische Probleme als direkte Folge von Mobbing auftreten, gibt es nur wenige Fälle, in denen Mobbing-Täter rechtlich belangt wurden. „Das Problem ist die Beweisführung“, erläutert Mobbingforscher Zapf. „Mobbing liegt immer im Auge des Betrachters. Vor Gericht zählen aber nur objektive Fakten und Beweise – die lassen sich selten vorlegen.“ 

Opfer im Nachteil

Im Unternehmen können Mediatoren und geschulte Ansprechpartner dazu beitragen, Konflikte zu deeskalieren oder Mobbing von vorneherein zu vermeiden. „In den meisten Fällen ist eine Konfliktlösung oder ein ‚Vertragen’ der Beteiligten bei Mobbing allerdings nicht mehr möglich. Da hilft nur eine räumliche und organisatorische Trennung“, sagt Zapf. Und die geht in der Praxis leider fast immer zu Lasten der Opfer. „Da bei Mobbing meist auch ein Netzwerk an Mittätern oder Zuschauern entsteht, macht es keinen Sinn, dass nur der Haupttäter versetzt wird. Eine Entspannung gibt es nur, wenn die Opfer gehen.“ 

Deshalb, so betont der Mobbingforscher, sei es wichtig, Konfliktsituationen frühzeitig zu lösen und eine Eskalation zu verhindern. Unternehmen und auch Führungskräfte können im erheblichen Maße dazu beitragen. Nämlich indem sie ein gesundes Betriebsklima schaffen, das Lästereien und Schikanen erst gar nicht duldet.