Die unsichtbare Last

Wie gefährlich sind Smartphone, Drucker und Co.?

Unsichtbare Strahlung wirkt tagtäglich auf unseren Körper – vor allem im Büro. Elektrische Geräte sondern Energie und manchmal sogar Chemikalien ab, die unseren Organismus beeinflussen. Mit Blick auf mögliche Langzeitfolgen raten Experten dazu, die Exposition gering zu halten.

Werfen Sie sich doch einmal einen Blick auf Ihren Schreibtisch und zählen Sie, was da gerade alles „funkt“: Der Computer mit WLAN-Modul, die Bluetooth-Maus, das Geschäftshandy und vielleicht auch noch das private Smartphone. Und etwas weiter hinten, arbeiten Drucker und Kopierer fleißig – möglicherweise auch dank WLAN.

 

Es stimmt, dass wir tagtäglich in beinahe jeder Situation von elektromagnetischen Feldern umgeben sind. Alle elektrischen Geräte erzeugen sie. Sie bewirken einen Energietransport in den gesamten Raum in Form von Elementarteilchen, den sogenannten Photonen. Elektromagnetische Felder sind ständig in Bewegung und ändern ihre Stärke und Richtung in einer bestimmten Geschwindigkeit, der sogenannten Frequenz. Smartphones, WLAN-Repeater oder andere Geräte, die über WLAN oder Bluetooth kommunizieren, erzeugen zum Bespiel elektromagnetische Felder mit hoher Frequenz. Monitore, Schreibtischlampen oder ähnliche Geräte mit einfachem Anschluss an die Stromleitung befinden sich hingegen im niederfrequenten Bereich.
Nicht schädlich, aber auch nicht wirkungslos

Auch wenn man sie nicht sieht: Elektromagnetische Felder sind da. Und sie wirken auf den Körper – das gilt als erwiesen. Ihre Wirkung hängt jedoch von der Stärke und der Frequenz der Felder ab. Felder mit niedriger Frequenz können elektrische Felder und Ströme im Körper erzeugen. Felder mit hoher Frequenz können den Körper erwärmen. Die Frage ist nur: Wie schädlich ist das?

Ob diese Wirkungen gesundheitliche Schäden auslösen können, hängt von der Stärke der Felder ab und darauf, wie tief sie in den Körper eindringen. Bei hochfrequenter Strahlung spricht man von einer gesundheitsschädlichen Erwärmung erst, wenn die Körpertemperatur auf über ein Grad erhöht wird. Um dies zu erreichen, müsste der sogenannte SAR-Wert eines Geräts, der die spezifische Absorptionsrate beschreibt, über eine halbe Stunde lang bei über vier Watt pro Kilogramm Körpergewebe liegen. Für Handys besteht ein Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm, den die meisten Modelle sogar erheblich unterschreiten.

Neben einer möglichen Überwärmung wurden auch andere potenzielle Effekte insbesondere von Handystrahlung untersucht, zum Beispiel der Einfluss auf die Gehirnströme im Schlaf, auf die Reaktionszeit, die Gedächtnisleistung oder die Befindlichkeit der Betroffenen sowie die Auswirkungen auf die Immunzellen. Doch bisher konnte kein Nachweis erbracht werden, dass Handystrahlung negative Effekte in irgendeinem dieser Bereiche bewirkt.

Langzeitschäden nicht ausgeschlossen

Da elektrische Geräte und damit elektromagnetische Felder auch im Büroalltag überall zu finden sind, wurden entsprechende Grenzwerte in der Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (EMFV) definiert. „Laut derzeitigem Stand ist es an Büroarbeitsplätzen nicht möglich, dass technische Geräte diese Grenzwerte überschreiten, selbst dann nicht, wenn man mögliche Summationseffekte berücksichtigt, die durch eine Vielzahl an Geräten entstehen könnten“, erklärt Dr. Carsten Alteköster vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. „Allerdings beziehen sich die gemäß EMFV einzuhaltenden Werte ausschließlich auf wissenschaftlich gesicherte Kurzzeitwirkungen von elektromagnetischen Feldern. Wissenschaftliche Nachweise für Langzeitwirkungen durch elektromagnetische Felder, die eine Bestimmung von Grenzwerten ermöglichen, fehlen bislang.“

Es ist also durchaus möglich, dass elektromagnetische Felder auf lange Sicht dem Körper schaden, selbst wenn sie die nach heutigem Wissensstand festgelegten Grenzwerte unterschreiten. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Alteköster, vorsorglich die Exposition durch elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten.

Druckerstaub vermeiden

Von Druckern, Kopierern und Co. geht möglicherweise noch eine weitere Gefahr aus: Sie geben beim Drucken Tonerstaub in die Luft ab, der giftige Stoffe enthalten kann. In einem Laborversuch fanden Forscher der Universitätsklinik Freiburg heraus, dass die Druckerluft die Zellteilung menschlicher Lungenzellen negativ beeinflussen kann. Dass Tonerstaub krebserregend ist, wurde dadurch jedoch nicht bewiesen. 

Auch hier kann zunächst Entwarnung gegeben werden: Laserdrucker oder -kopierer geben keine Gase oder Stäube ab in Mengen, die für die Gesundheit schädlich sind. Allerdings gilt es auch hierbei, die Emission möglichst gering zu halten. Das bedeutet zum einen, Geräte und Papier zu kaufen, die mit dem Umweltzeichen Blauer Engel versehen sind. Zum anderen sollten Drucker und Kopierer nicht in kleinen, unbelüfteten Räumen stehen oder die Abluft direkt ins Gesicht eines Beschäftigten blasen. Besondere Vorsicht ist bei Wartungsmaßnahmen geboten, denn hierbei können höhere Mengen der schädlichen Stoffe freigesetzt werden. Tonerkartuschen wechseln, Druckerwalzen reinigen oder Ozonfilter austauschen sollten nur Menschen, die sich mit den Geräten auskennen. Auch die Wartungshinweise in den Bedienungsanleitungen sollten beachtet werden.

Grundsätzlich gilt: Selbst wenn nach dem aktuellen Stand der Forschung die Emissionen, die von Druckern oder andere Elektrogeräten ausgehen, nicht gesundheitsgefährdend sind, ist es dennoch wichtig, die Belastung so gering wie möglich zu halten. Jbr


Besonders sensibel?

Es gibt Menschen, die angeben, besonders empfindlich auf elektromagnetische Felder zu reagieren und über Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, Verdauungsstörungen oder Hautreizungen im Gesicht klagen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation sind diese Symptome real und können die Betroffenen teilweise stark einschränken. 


Das Problem ist, dass es für diese sogenannte Elektromagnetische Hypersensibilität (EHS) bisher keine gültigen diagnostischen Kriterien gibt, sie also allein auf der Einschätzung der Betroffenen basiert – und daher nicht objektiv zu beurteilen ist. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin konnte keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Einwirkung elektromagnetischer Felder und den Symptomen einer EHS feststellen. Die Studienautoren vermuten daher, dass die Ursache für diese Krankheit psychosomatisch ist.


Staub und 
Strahlung
So verringern Sie Emissionen im Büro

✔     Halten Sie Telefonate mit dem Handy so kurz wie möglich 
    und benutzen Sie ein Headset.

✔     Tätigen Sie möglichst keine Anrufe, wenn das Signal schwach ist. Bei schlechtem Empfang erhöhen Handys ihre Sendeleistung – 
    und damit auch die Belastung durch elektromagnetische Felder.

✔     Arbeiten Sie nicht mit dem Laptop auf dem Schoß, 
    denn das kann die Wärmewirkung erhöhen.

✔     Stellen Sie bei technischen Geräten die automatische 
    Leistungsregelung ein.

✔     In Büros, die kleiner als zehn Quadratmeter sind, sollte kein Kopierer stehen.

✔     Bevorzugen Sie geschlossene Tonerkartuschen und keine 
    Nachfüllsysteme für Drucker und Kopierer. Dadurch reduziert sich die Belastung durch Chemikalien.


INFO

Menschen mit aktiven Implantaten wie Herzschrittmachern oder implantierbaren Defibrillatoren reagieren womöglich empfindlicher auf elektromagnetische Strahlung. Für sie muss gegebenenfalls eine gesonderte Beurteilung der Gefährdung durch elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz durchgeführt werden.

Lesetipp

Drucker und Kopierer sicher bei der Arbeit nutzen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
www.baua.de 

Empfehlungen für den sicheren Umgang mit Laserdruckern Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
www.dguv.de