health@homeoffice: Effizienz und Familie

Homeoffice in Zeiten von Corona

Viele Mütter und Väter arbeiten während der Corona-Krise zu Hause. Sozialer Kontakt wird auf ein Mindestmaß reduziert und trotzdem effizient gearbeitet - so der Gedanke ihrer Arbeitgeber. Doch die Arbeit im Familienkreis hat andere Regeln als das Großraumbüro.

Plötzlich versteckt jemand das Headset, kritzelt ein Bild auf den wichtigen Vertragsentwurf oder gibt den Entsperrcode vom Diensthandy drei Mal falsch ein. Kinder sind niedliche, aber auch  umtriebige Arbeitskollegen. Sie verbringen ihren Alltag während der Corona-Krise dort, wo Mama und Papa arbeiten: im Homeoffice. Weil Kitas und Schulen wegen des deutschlandweiten Shut-Downs geschlossen haben, multipliziert sich bei vielen Erwerbstätigen digitaler Stress mit Familienstress.

Wie kann er trotzdem gelingen: der Umstieg vom Büro an den Küchentisch? Erfahren Sie, wie Arbeitnehmer im Heimbüro gut arbeiten und was ihre Arbeitgeber dafür tun können.

Aufgaben der Führungskräfte

Klare Linien zwischen Freizeit und Job zu ziehen, ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen eine große Herausforderung. Denn arbeiten zwischen umhertollenden Kindern wird zur Belastungsprobe. Lärm, Unruhe und das Gefühl, in einem Augenblick zwei Welten genügen zu müssen, sind starke Stressfaktoren.

Die Planung steht also in Zeiten von Corona im Vordergrund. Dennoch bleibt Aufgabe des Unternehmens, die Gesundheit der Homeoffice-Mitarbeiter im Auge zu behalten. Eine wichtige Rolle spielen die Führungskräfte. Sie müssen sich auf die besonderen Gegebenheiten der Heimarbeit einstellen. Das bedeutet in der Praxis vor allem Aufgaben in Projektpakete zu schnüren, zu delegieren, die Kommunikation zu koordinieren sowie individuelle Organisationslösungen mit dem Arbeitnehmer zu finden. Die Führungskräfte sind auch die ersten Ansprechpartner, die durch Gespräche regelmäßig die Arbeitssituation der Heimarbeiter erfassen und bei Problemen steuern müssen.

Auch die Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung müssen anderes organisiert werden, wenn mehrere oder gar alle Beschäftigten im Homeoffice arbeiten. Kurse wie Rückenschulen oder Yogastunden können zu Online-Kurse umgewandelt werden, die unabhängig von Ort und Zeit absolviert werden können – grenzenlos flexibel.

Wer zum ersten Mal im Home Office arbeitet dürfte sich zunächst einsam fühlen. Um dem vorzubeugen, sind Videochats oder Telefonkonferenzen ein hilfreiches Mittel.  Richten Sie zum Beispiel jeden Freitagnachmittag mit ihrem Team einen Happy-Hour Video-Chat ein, um sich gemeinsam auszutauschen und ihren Mitarbeitern die Unsicherheit zu nehmen.

Doch wie können Sie Ihren Mitarbeitern während der Corona-Krise einen strukturierten Arbeitsalltag zuhause ermöglichen?

  • Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern gerade in der Krise Sicherheit und bringen Sie Ihnen Wertschätzung entgegen.
  • Stellen Sie Ihren Mitarbeitern alle (technischen) Mittel zur Verfügung und schaffen Sie Transparenz zu arbeitsrechtlichen Fragen und Ansprüchen.
  • Klären Sie die Erwartungen und das weitere Vorgehen des Arbeitsalltags ab.
  • Arbeitspakete schnüren und die Koordination delegieren.
  • Stetiger Austausch mit Kollegen und Mitarbeitern. Durch bleibenden Kontakt zu den Kollegen durch Skype- oder Telefonkonferenzen kann die soziale Isolation vermieden werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Zurzeit gibt es keinen gesetzlichen Anspruch von zu Hause zu arbeiten. Oft gibt es Betriebsvereinbarungen, die bereits Regelungen für Arbeitnehmer vorgeben und im Arbeitsvertrag verankert sind. Der Corona-Virus kann aber auch für viele Unternehmen Anlass werden, das Thema zu überdenken und neue Regelungen einzuführen.

Wissenschaftler der US-amerikanischen Stanford-Universität untersuchten die Auswirkungen von Home Office innerhalb einer 2-jährigen Studie. Durch weniger Unterbrechungen im Arbeitsalltag resultierte eine bessere Konzentration der Arbeitnehmer und folglich, steigerte sich die Produktivität um 13%. Auch die tatsächliche Arbeitszeit jedes Mitarbeiters ist häufig länger als die, der Mitarbeiter vor Ort.

Work-Life-Balance oder Konflikt zwischen Beruf und Familie

Im Home Office arbeitet mancher Arbeitnehmer effizienter. Aber unter welchen Bedingungen führt Homeoffice auch zu einer besseren Work-Life-Balance - gerade aus Perspektive berufstätiger Mütter und Väter? Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist dieser Frage nachgegangen. Die Ergebniss legen nahe, dass die betrieblichen Vereinbarkeitsmaßnahmen für Führungskräfte, die Fairness der Vorgesetzten sowie die Qualität und die Formalisierung des Arbeitens zu Hause die entscheidenden Faktoren sind, anhand derer Beschäftigte Arbeit und Privatleben besser vereinbaren können, wenn sie die Option Homeoffice nutzen.

Von oben angeordnet werden darf Homeoffice übrigens nicht, es bedarf einer beidseitigen Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Nur im äußersten Notfall, wenn ansonsten ein unverhältnismäßiger Schaden droht, kann das Heimbüro angeordnet werden. Dies ist aber aufgrund der grundgesetzlich geschützten Unversehrtheit der Wohnung nur in absoluten Ausnahmen möglich. Grundsätzlich gelten zu Hause oder im Büro, die gleichen Arbeitszeiten und Pausendauern, die im Arbeitsvertrag festgelegt sind.

Arbeitgeber in der Verantwortung

Aus den Augen, aus dem Sinn – das gilt für die Heimarbeit nicht. Wenn Beschäftigte mit der Zustimmung des Arbeitgebers von zu Hause aus arbeiten, trägt das Unternehmen die Verantwortung in Sachen Gesundheits- und Arbeitsschutz. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung beispielsweise vor Ort durchführen und die Mitarbeiter bei der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes beraten und unterstützen muss.

Ein Computerarbeitsplatz am Küchentisch inmitten von Bauklötzen, Malutensilien und Bilderbüchern entspricht vermutlich nicht den unternehmensinternen Qualitätskriterien. Aber erkläre dies einer mal einem Kind, das Vollzeit im Homeoffice arbeitet.