Teams motivieren

Und alle so "Yeeeaaah"!

Einer für alle, alle für einen – das Motto der drei Musketiere aus dem Roman von Alexandre Dumas lässt sich auch heute noch auf die projektbasierte Teamarbeit übertragen. In einem Team berücksichtigen und ergänzen sich die einzelnen Mitglieder einander. Sie sehen einen Sinn in der Zusammenarbeit, verfolgen ein gemeinsames Ziel. 

Die gemeinsame Vision ist letztlich auch das, was den Unterschied ausmacht zwischen einer Gruppe und einem Team. „In einer Gruppe führen alle Mitarbeiter die gleiche Tätigkeit parallel zueinander aus, ohne die anderen zu berücksichtigen“, erklärt Nicolas Scheel, Organisationsberater und Führungs-Coach. „Ein Team hingegen ist in der Regel interdisziplinär zusammengesetzt und lebt vom Zusammenspiel der einzelnen Akteure, die sich gegenseitig ergänzen.“

Vielfalt bändigen

Wer ein Arbeits- oder Projektteam zusammenstellt, wählt die Mitglieder zu allererst nach ihrer fachlichen Qualifikation aus. Darüber hinaus gibt es noch weitere Qualitäten, die es bei der Zusammenstellung eines Teams zu berücksichtigen gilt. Einige Studien zeigen, dass heterogene Teams besonders erfolgreich sind. Wenn Frauen und Männer, Junge und Alte oder Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zusammenarbeiten, ist der Ideenpool, aus dem geschöpft werden kann, besonders groß.

Vielfalt bedeutet in Teams aber auch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen: Manche Menschen sind wortgewandt und beteiligen sich aktiv an Diskussionen, während andere lieber nur zuhören. Die einen sind mehr, die anderen weniger stark entscheidungsfreudig. Es gibt Menschen, die lassen sich gern von Emotionen leiten, andere wiederum sind eher ein „Zahlen-, Daten-, Fakten-Typ“.

Es gibt keinen Menschen, der durch nichts zu motivieren ist.

Vielfalt bedeutet in Teams aber auch ein breites Spektrum an unterschiedlichen Persönlichkeiten: Manche Menschen sind wortgewandt und beteiligen sich aktiv an Diskussionen, während andere lieber nur zuhören. Die einen sind mehr, die anderen weniger stark entscheidungsfreudig. Es gibt Menschen, die lassen sich gern von Emotionen leiten, andere wiederum sind eher ein „Zahlen-, Daten-, Fakten-Typ“.

Unterschiedliche Voraussetzungen

Bunt gemischt bringt Vielfalt – aber wie gelingt es, all diese verschiedenen Typen zu motivieren, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten? Im Idealfall verbindet alle Teammitglieder von vorneherein eine positive Einstellung, so Scheel: „Sie sollten Lust auf das Thema haben.“ Doch natürlich können Projektmitarbeiter in der Praxis nicht nur ihrem Enthusiasmus nach eingestellt werden. Andere Faktoren, zum Beispiel die fachliche Kompetenz, stechen Softskills wie eine „Leidenschaft für den Beruf“ oft aus. Menschen sind unterschiedlich begeisterungsfähig, engagiert, arbeitsfreudig. Und so kommt es, dass ein Teil des Teams sich leicht mitreißen lässt und besonders empfänglich für die Teamvision ist und andere mehr Anregung brauchen. Aber: „Es gibt keinen Menschen, der durch nichts zu motivieren ist“, sagt Organisationsberater Scheel. „Die Herausforderung ist es nur, herauszufinden, was jeden einzelnen motiviert.“

Ein Team der besten ist nicht unbedingt das beste Team: Bei den olympischen Spielen in Sotschi im Jahr 2014 schied das russische Eishockey-Team überraschend im Viertelfinale aus, obwohl es als Favorit für die Gold-Medaille galt. Das Team bestand fast ausschließlich aus Superstars, also aus den stärksten Einzelspielern aller Teams.

Bereits in den 1970er Jahren fand der britische Management-Theoretiker Raymond Meredith Belbin heraus, dass Teams von Hochbegabten bei Managementspielen durchweg schlechter abschnitten als durchmischte Teams. Die Hochbegabten konnten sich schwerer einigen, stritten häufiger und waren nur schlecht von einer gemeinsamen Linie zu überzeugen. Belbin bezeichnete dieses Phänomen als Apollo-Syndrom.

Motivationsforscher sind davon überzeugt, dass es Menschen im Beruf am meisten motiviert, wenn sie einen Sinn in ihrer Arbeit sehen, eigenständig arbeiten und ihre Stärken entfalten können. Ein guter Teamleiter kennt die Stärken der einzelnen Mitarbeiter, findet heraus, welche Motivatoren bei ihnen am deutlichsten ausgeprägt sind und verteilt die Arbeit demensprechend.

Die richtigen Anreize finden

Wie und ob monetäre Anreize zur Motivation beitragen, wird von Forschern allerdings kontrovers diskutiert. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt, dass Teams, denen ein gemeinsamer Bonus in Aussicht gestellt wird, erfolgreicher sind. Das scheint vor allem daran zu liegen, dass der monetäre Anreiz auch die Organisation der Zusammenarbeit im Team verändert. In der Studie wurde das Verhalten von Teams in einem Exit-the-Room-Spiel untersucht, bei dem durch die logische Verbindung von Hinweisen ein Ausweg aus einem Raum gefunden werden muss.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team innerhalb einer Dreiviertelstunde fertig wurde, war für die Gruppen, denen ein monetärer Anreiz in Aussicht gestellt wurde, mehr als doppelt so hoch. Ein überraschendes Ergebnis: „Im Vorhinein haben manche Forscher vermutet, dass der Bonus keinen Effekt haben wird, wenn Teams dort freiwillig hingehen und somit daran interessiert sind, die Aufgabe zu lösen. Diese Teams sind ja bereits hochmotiviert,“ erklärt Simeon Schudy, Co-Autor der Studie. Doch das Gegenteil war der Fall: Der in Aussicht gestellte gemeinsame Bonus konnte die Teamleistung auch dann steigern, wenn sich die Gruppen die Aufgabe selbst ausgesucht hatten.

Den Zusammenhalt fördern

Organisationsberater Scheel glaubt, dass Geld ein Hygienefaktor ist, aber niemals der einzige Motivator sein sollte. „Damit ein Team wirklich erfolgreich zusammenarbeitet, muss es ein Wir-Gefühl geben“, sagt Scheel. „Das können Führungskräfte jedoch nicht einfach verordnen. Ein Wir-Gefühl muss wachsen.

Daher setzten viele Unternehmen auf sogenannte Kick-off-Veranstaltungen: Teamessen, Bowlingabende und After-Work-Partys bieten Gelegenheit, die Kollegen kennenzulernen und auch einmal Gespräche außerhalb des beruflichen Umfelds zu führen. „Gemeinsame Unternehmungen stärken den Zusammenhalt“, erläutert Scheel. „Echte Teamleistungen entstehen jedoch nur, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen, bei dem jeder seinen Part erfüllt.“

Immer Flexibel bleiben

Die Führungskräfte spielen für den Erfolg eines Teams eine wichtige Rolle – keine Frage. Doch auch der Einfluss eines guten Teamleiters ist begrenzt. Das zeigte sich ganz deutlich bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft. Der gleiche Trainer führte mit der gleichen Motivationsstrategie seine Mannschaft in einem Jahr zum Weltmeistertitel, eine andere Mannschaft in einem anderen Jahr nicht einmal aus der Vorrunde heraus. „Teams sind komplexe Gebilde“, erläutert Organisationsberater Scheel. „Man kann vorher nie wissen, wie ein Team funktioniert.“ Die Führungskräfte könnten daher nur einen Rahmen vorgeben und möglichst flexibel auf eventuell auftretende Schwierigkeiten reagieren. jbr