Frei machen

Detox

Wie eine Lebens-Detox-Kur unser Leben auch am Arbeitsplatz gesünder macht

Viele Gründe sprechen dafür, mit dem Frühjahrsputz nicht auf den März zu warten: Wer Körper und Geist von Ballast befreit, lebt leichter, glücklicher und gesünder. Hilfsmittel, braucht man dazu keine, nur die eigene Entschlusskraft. Und es gibt keinen besseren Zeitpunkt für einen befreiten Lebenswandel als das Hier und Jetzt.

Kurzzeitige Detox- oder Fasten-Diäten mit Hilfsmitteln, sind nicht nur unnötig, sie können sogar schaden: Wenn der Körper keine oder weniger Nahrungsenergie bekommt als er benötigt, schaltet er in den Hungermodus.

Vorsicht beim Fasten

Wenn der Stoffwechsel auf Sparflamme brennt, greift er die Energiereserven an, zum Beispiel die körpereigenen Kohlenhydratreserven in Leber und Muskeln sowie das Körpereiweiß und Fett. „Diese Umstellung passiert bereits nach ein bis zwei Tagen ohne Nahrung“, erklärt Restemeyer. So kann Fasten für den Körper Stress bedeuten. Kreislaufbeschwerden, niedrige Blutzuckerspiegel, Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen treten als unerwünschte Nebenwirkungen auf – vor allem, wenn nicht ausreichend getrunken wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Muskelmasse abbaut.

„Wichtig ist zu wissen, dass kurzfristiges Detoxing nicht die Folgen einer unausgewogenen Ernährung ausgleichen kann“, betont Restemeyer. „Eine ‚Entgiftung’ bügelt nicht die schlechten Gewohnheiten der letzten Monate aus.“ Besser sei es, so die Ernährungsexpertin, die Ernährung dauerhaft umzustellen und auf schädliche Substanzen wie Zigaretten und Alkohol möglichst zu verzichten.

Freier Raum, freier Kopf

Frei machen, das bedeutet nicht nur Belastendes aus dem Körper auszuleiten. Auch seine Umgebung will befreit sein. Kleidung mit Löchern, Stifte, die nicht mehr schreiben, Souvenirs ohne Bedeutung, eingegangene Topfpflanzen, Gebrauchsanweisungen für Geräte, die schon lange kaputt sind, Postkarten, die niemand mehr liest: In jeder Wohnung finden sich unzählige Gegenstände, die nicht mehr benutzt werden und einfach nur da liegen. Aber eben nicht einfach so. Denn Gegenstände kommunizieren mit uns. Sie fordern uns ständig auf, etwas mit ihnen zu tun, sie anzuziehen, zu reparieren, sie zu nutzen oder uns dazu zu entscheiden, sie wegzuwerfen. Diese Dauerkommunikation ist ein kleiner, aber stetiger Stressfaktor.

Unordnung boykottiert sogar gute Ernährungsvorsätze, insbesondere, wenn die Personen bereits gestresst sind. In einer aus-tralischen Studie aßen gestresste Frauen in einer unordentlichen Umgebung mehr Kekse als in einer ordentlichen. Wer also seine Umgebung aufräumt, bereinigt dadurch auch ein Stück weit sich selbst.

Eine klare, ordentliche Umgebung wirkt sich positiv auf diejenigen aus, die in ihr leben – und arbeiten. Das haben Forscher der University of Minnesota herausgefunden: Menschen, die an aufgeräumten Schreibtischen arbeiten, treffen bessere Entscheidungen, spenden mehr an wohltätige Zwecke und verhalten sich gewissenhafter.

Digital entschlacken

Ein Gegenstand, der besonders intensiv und häufig mit uns kommuniziert, ist das Smartphone. Zahlreiche Apps erkämpfen sich durch Surren und Klingeln die Aufmerksamkeit der Smartphone-Nutzer. Mit großem Erfolg. Denn das Handy ist für viele Menschen ein unverzichtbarer Begleiter. Laut einer Studie des Wirtschaftsberatungsunternehmens Deloitte schauen 41 Prozent der Deutschen innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufstehen auf ihr Smartphone.

Selbst in Situationen, in denen das Handy eigentlich besser Sendepause hätte, verzichten viele nicht auf die Nutzung: Jeder Zweite daddelt auch beim Essen, jeder Dritte beim Autofahren oder Überqueren einer Kreuzung.

Die ständige Smartphone-Nutzung ist ein Stressfaktor im Leben vieler Menschen. Sie führt zur häufigen Unterbrechungen, Konzentrationsstörungen, nachlassender Produktivität und – da jeder dritte Nutzer sogar nachts sein Handy checkt – zu Schlafmangel und Ermüdung. Ein Problem, dessen sich viele Smartphone-User auch bewusst sind. Im Rahmen des Reports „Schlafgesundheit in Deutschland“ der Krankenkasse Barmer gab ein Viertel der Befragten an, unter Schlafstörungen zu leiden. „Viele von ihnen wollen offenbar ihre Online-Präsenz einschränken, weil sich digitale Medien und soziale Netzwerke auf ihren Schlaf auswirken“, sagt Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Barmer.

Die digitale Fastenkur, das sogenannte Digital Detoxing, wird zunehmend populär – auch das zeigt die Barmer-Befragung: Mehr als ein Drittel, nämlich 37 Prozent der deutschen Bevölkerung sieht Digital Detox als wichtiges Thema, 13 Prozent haben es bereits in die Tat umgesetzt, ein Viertel der Befragten erwägt es ernsthaft. Viele Menschen, die Digital Detox tatsächlich umsetzen wollen, suchen nach Gleichgesinnten, um sich zu motivieren und finden sie – natürlich auch online. jbr