Pause à la carte

Corona hat Arbeitswelt und Privatleben der meisten Menschen tiefgreifend verändert. Die
Mittagspause zählt zu den Bereichen dazwischen: Sie ist eigentlich Freizeit und wird doch
vielfach am Arbeitsplatz verbracht. Welches Essen im Job nun am besten mundet, ist Ge-
schmackssache. Entdecken Sie die Vielfalt!

Für viele ein geliebtes Ritual ist der tägliche Gang in die Betriebskantine. Ein günstiges warmes Mittagessen –und den Plausch mit Kollegen gibt’s gratis dazu. Vielleicht sitzen sogar die Vorgesetzten mit am Tisch und stärken das Gefühl, sich in der großen Firmenfamilie gut aufgehoben zu fühlen. Doch in Coronazeiten ist nichts, wie es einmal war. Kantinen dürfen zwar geöffnet bleiben, sofern sie nicht öffentlich sind. Jedoch gelten strenge Regeln: Das Schnitzel mit Pommes darf jetzt nur noch mit Abstand verspeist werden. 1,5 Mater zwischen Tischen und Plätzen lassen sich nur einhalten, wenn Kantinen Plätze reduzieren und weniger Gäste gleichzeitig bewirten. Manche führen Zeitkontingente ein, für die sich Mitarbeitende in einem Online-Tool vorab einbuchen. Zum Teil sind auch die Essen vorzubestellen –das erleichtert dem Küchenteam die Kalkulation in der Krise. Durch Homeoffice, Kurzarbeit, angeordneten Überstunden-und Urlaubsabbau gehen weniger Mitarbeiter im Betrieb essen. Und bei denen, die es tun, geht es steifer zu: Maskenpflicht gilt bei der Essensausgabe und auf dem Weg zum Platz. Das macht die Pause spaßbefreiter. Mitarbeiter verweilen kürzer am Tisch, reduzieren die Essenseinnahme aufs Grundbedürfnis. Gespräche unter Kollegen oder private Momente mit dem Chef am gleichen Tisch fallen kürzer aus oder ganz weg. Einige Unternehmen bieten an, die Speisen als Foodpaket mit an den Arbeitsplatz zu nehmen und dort zu verzehren. Die Bar zur Selbstbedienung ist geschlossen, Salate legen Kantinenmitarbeiter fertig abgepackt aufs Tablett.

Tipp

Neue Rituale schaffen

Damit das Essen im Job nicht zur lästigen Pflicht wird, halten Sie einen Moment inne und bedenken Sie, dass die nächsten 30 Minuten zu Ihrer Erholung da sind. Nutzen Sie dafür zum Beispiel den Moment, in dem Sie am Tisch Platz die Maske abnehmen: „Ich freue mich auf dieses Essen und genieße es.“ Riechen Sie an dem Gericht ihrer Wahl und würdigen Sie dessen Aussehen, kauen Sie jeden Bissen gründlich und legen Sie das Besteck hin und wieder zur Seite. Bemerken Sie, wie das Essen Ihnen gut tut.

Essen to Go

Der Asiate zwei Straßen weiter, der angesagte Food-Truck um die Ecke oder das Szene-Restaurant in der Nähe: Es gibt viele Möglichkeiten, die Mittagspause auch jenseits des eigenen Betriebes unter Gleichgesinnten zu verbringen –normalerweise. Viele Restaurants bieten günstige Mittagsmenüs und schnelle Gerichte an. Natürlich können auch diese in Coronazeiten nur zum Mitnehmen –also „to go“ –genossen werden. Der Weg dorthin hat trotzdem was für sich: Wer zum Essen die Firma verlässt, bewegt sich an der frischen Luft, tankt Sonnenlicht, das der Körper zum Aufbau von Vitamin D braucht, und sieht mal was anderes als nur das Tagesgeschäft. Das baut Stress ab und macht den Kopf frei. Natürlich gilt auch hier strenge Maskenpflicht und das Abstandsgebot.

Tipp

Timing planen!

Damit es in der Warteschlange nicht zu eng wird, Essen vorbestellen und Abholzeitraum vereinbaren. Nutzen Sie möglichst Zeiten, an denen erfahrungsgemäß weniger los ist. Vielleicht können Sie in der Firma eine großzügigere Auslegung der Kernarbeitszeiten aushandeln, sodass Sie schon etwas früher oder später in die Pause gehen dürfen. Oder ihr Chef unterschreibt kulanter die Ausgangszettel. Betrachten Sie es wie einen Mini-Urlaub und atmen Sie auf dem Weg zum Abholen tief ein und aus, um die Zeitdraußen intensiv zu genießen.

Selber machen

Manch einer entdeckt in der Krise auch ein ungeahntes Talent: Essen selbst zubereiten ist gar nicht so schwierig. Oft fehlt die Bereitschaft, sich Zeit dafür zu nehmen, selbst mal am Herd zu stehen. Hier hat die Krise viele bekehrt. Der Wunsch, zu wissen, was auf den Teller kommt, macht die Zeit fürs Kochen zu einer wichtigen Investition in die eigene Gesundheit. Kochen und Backenboomen in der Krise wie mehr denn je. Tolle Rezepte, Tipps und Bewertungen gibt es in Online-Communitys wie Chefkoch.de. Das Schöne daran: Wer sich mit Lebensmitteln beschäftigt, isst auch bewusster und kauft schon so ein. Das nutzt der eigenen Gesundheit, dem Tierwohl und der Umwelt. Und wer clever plant, hatvon einem am Wochenende in Ruhe gekochten Gericht noch viele Tage was für die Arbeit. Ein Hähnchen etwa lässt sich toll teilen: Brust, Keulen und Chickenwings abtrennen. Aus der Karkasse und Suppengemüse eine Brühe kochen. Mit Zwiebeln, Dosentomaten, etwas Brühe und Gewürzen eine Soße zubereiten, dann Fleischstücke in Öl anbraten und in der Soße gar ziehen lassen, dazu Reis kochen. Einen Teil gibt’s am Sonntag zum Mittagessen. Die Reste im Kühlschrank aufbewahren und in den nächsten Tagen auf die Arbeit mitnehmen – zum Beispiel das kleingeschnittene Fleisch als Suppeneinlage in der mit Reis aufgekochten Brühe (für die Mikrowelle), als Zutat einer BowlmitknackigemSalat (Transport im Bügelverschlussglas) oder in feinen Scheiben auf einem Sandwich ... Viele Gerichte lassen sich einfrieren und dann für die Mikrowelle mitnehmen.

Tipp

Kein Stress!

Natürlich gibt es auch Rezepte, die schnell gehen. Aber vieles braucht einfach seine Zeit. Planen Sie eine Stunde ein, die Sie für Vorbereitung der Zutaten und Kochen brauchen. Wer den Aufwand realistisch einschätzt, wirft nicht so schnell hin.