Besser schlafen

Wer gut ruht, tut sich gut

Um dauerhaft fit und leistungsfähig zu sein, ist es wichtig, gut zu schlafen. Mindestens sechs Stunden pro Nacht, ungestört, raten Experten. Davon können viele nur träumen – oder eben gerade nicht. So erfüllt sich der Traum vom Schlaf.

Wenn die Batterieanzeige des Handys Alarm schlägt, suchen wir sofort nach der nächsten Steckdose. Auch der Körper ist am Ende des Tages energielos und braucht eine Ruhepause. Dennoch werden in vielen Fällen Smartphone-Akkus gewissenhafter aufgeladen, als die eigenen. Dringend benötigter Schlaf kommt oft zu kurz. Der DAK-Gesundheitsreport 2017 zeigt: Vier von fünf Erwerbstätigen in Deutschland schlafen schlecht. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet sogar unter schweren Schlafstörungen, auch Insomnien genannt. Dabei haben die Betroffenen Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen. Sie fühlen sich am Tag müde und erschöpft.

Gefährlicher Schlafmangel

Wer nachts nicht genügend schläft, ist auch tagsüber nicht fit und leistungsfähig. Konzentrationsschwierigkeiten, Launenhaftigkeit und Reizbarkeit sind nur eine Auswahl an Begleiterscheinungen. Chronischer Schlafmangel kann auf Dauer zu schweren gesundheitlichen Problemen wie Angststörungen oder Depressionen führen. Und auch das Herz leidet: Menschen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden schlafen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel Bluthochdruck.

Untersuchungen zeigen, dass bereits nach einer schlecht geschlafenen Nacht der Blutdruck ansteigt. Mangelt es an Schlaf, schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus und auch die Entzündungsaktivität ist erhöht. „Bei diesen Betroffenen steigt die Gefahr, an einem Herzinfarkt oder chronischem Herzversagen zu erkranken und zu sterben“, erläutert Prof. Dr. Bernd Sanner, Vorstandsmitglied der deutschen Hochdruckliga.

Nächtliche Schlafräuber

Schlaf ist wie Essen und Trinken ein Urbedürfnis des menschlichen Körpers. Warum fällt es dann so vielen Menschen schwer, ein- oder durchzuschlafen? Laut einer Umfrage der Barmer halten private Sorgen, Stress, gesundheitliche Probleme sowie Ärger im Job die Betroffenen nachts wach.

Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch elektronische Geräte wie Smartphones, die die Schlafgewohnheiten stören: Ein Drittel der Menschen, die elektronische Geräte dauerhaft im Schlafzimmer haben, bleibt sehr oft länger auf als beabsichtigt. Von denen, die ohne Elektronik im Schlafzimmer auskommen, sind es nur 15 Prozent.

Besser ruhen, leicht gemacht?

Fernseher, Smartphone und Co. aus dem Schlafzimmer zu verbannen, wäre ein erster Schritt, um die Schlafqualität zu verbessern. Digitale Medien lenken nicht nur vom Einschlafen ab, sondern können es auch verhindern. Das bläulich-weiße Licht der Displays hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Der Körper denkt, es sei noch Tag und stellt auf „Wachbleiben“. 

Weitere einfache Tipps, um den Schlaf zu verbessern: Koffeinhaltige Getränke ab mittags, Zigaretten und Alkohol am Abend weglassen. Ins Bett gehen sollte man nur, wenn die Müdigkeit zuschlägt und dort auch nichts Anderes tun als schlafen. Wer dann nach zehn Minuten noch wach ist, sollte wieder aufstehen. Beim Aufwachen in der Nacht sollte man besser nicht auf die Uhr schauen.

Mehr Risikobereitschaft

Menschen, die dauerhaft zu wenig schlafen, wagen mehr Risiko. Das fanden Wissenschaftler der Universität Zürich heraus. Fünf Stunden Schlaf pro Nacht führten bei den Studienteilnehmern zu einem risikoreicheren Verhalten im Vergleich zu einer normalen Schlafdauer von etwa acht Stunden. Das Gefährliche: Den Kurzschläfern ist ihr riskantes Handeln nicht bewusst.

Schlaf als Unternehmensfrage

Gesunder Schlaf ist nicht nur eine persönliche Angelegenheit. Auch für Unternehmen wird dies zunehmend zum Thema: Mitarbeiter, die schlecht schlafen, werden nicht nur eher krank, sondern sind auch weniger leistungsfähig als ihre ausgeschlafenen Kollegen.

Um für dieses Thema zu sensibilisieren, boten die Unternehmen Roche, DSM und Bayer ihren Mitarbeitern im Rahmen eines Gesundheitstages auch einen Schlafhygiene-Parcours. Dieser wurde vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IfBG) durchgeführt. 

Hier beantwortete das IfBG-Team Fragen wie: Was ist die optimale Raumtemperatur? Welche Matratzen und Decken empfehlen sich für die entsprechenden Jahreszeiten? Was bedingt gesunden Schlaf? Dazu gab es an unterschiedlichen Stationen Tipps zu Raumgestaltung, Medienkonsum sowie Ernährung und Sport und deren Zusammenhang mit Schlaf. Diese Stationen wurden den Mitarbeitern mit Plakaten, themenbezogenen Gegenständen und Aufgaben nähergebracht.

Schlafkultur etablieren

Dass Schlaf und Arbeit zwei Dinge sind, die nicht im Widerspruch zu einander stehen, sondern einander bedingen, muss in den meisten Köpfen jedoch erst noch ankommen. Ein Jammer, findet Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité in Berlin. Fietze ist ein Verfechter des Powernaps, einem kurzen Schläfchen am Nachmittag. „Bereits eine Schlafeinheit von 10 bis 20 Minuten liefert neue Energie für die nächsten Arbeitsstunden“, erklärt Fietze. „Länger als eine halbe Stunde sollte das Powernap jedoch nicht dauern, da man sonst in den Tiefschlaf fällt und das Aufwachen dann schwer fällt.“

In anderen Ländern, wie zum Beispiel Japan, ist das Schlafen am Arbeitsplatz nicht ungewöhnlich. Und auch in Spanien wird um die Mittagszeit Siesta gehalten. In Deutschland ist Schlafen bei der Arbeit jedoch häufig noch verpönt. „Beschäftigte, die am Arbeitsplatz schlafen, gelten oft als faul und Unternehmen, in denen geschlafen wird, womöglich als unproduktiv“, erläutert Fietze. „Dabei ist das Gegenteil der Fall: Erholte Mitarbeiter sind produktiver als jene, die müde sind.“ Fietze selbst legt regelmäßig Powernaps am Arbeitsplatz ein und ermutigt auch seine Mitarbeiter, dies zu tun. jbr

Nur ein böser Traum?

Bei schweren Schlafstörungen suchen die Betroffenen Hilfe im Schlaflabor. Hier kommt oft die große Überraschung: Die meisten Personen, die stark ausgeprägte Schlaflosigkeit schildern, schlafen im Schlaflabor rund 80 Prozent ihres normalen Pensums. Das heißt, dass die gefühlte Schlaflosigkeit in vielen Fällen objektiv nicht als solche gemessen wird. Warum das so ist, fanden nun Forscher der Universität Freiburg heraus. Sie weckten Probanden im Schlaflabor mitten in einer Traumschlafphase. Mehr als die Hälfte der Schläfer gab dann an, wach gelegen zu haben. Was nachweislich nicht stimmte. Die Erklärung: Die Sorge, nicht schlafen zu können, hat sie im Traum heimgesucht. Ob die Schlafstörung objektiv messbar ist oder nur im Traum besteht, mache jedoch keinen Unterschied, so die Forscher. Die Betroffenen sind genauso stark belastet. Eine Traum-Therapie könnte ihnen helfen.