Support für den Arzt

Physician Assistant – praxisnaher Studiengang bietet Flexibilität und Vielfalt

Physician Assistants bilden die Schnittstelle zwischen Arzt, Patient und Pflegekräften. Das Studium lohnt sich vor allem für Menschen, die im medizinischen Bereich arbeiten und dennoch beruflich flexibel bleiben oder sich weiterentwickeln möchten.


Marie Stolte arbeitet im Krankenhaus in der Geriatrie, auf der Station für Altersmedizin, und übernimmt hier tagtäglich typische Aufgaben einer Assistenzärztin. Sie nimmt Patienten auf, führt die Anamnese und die körperliche Untersuchung durch, macht Routine-Untersuchungen wie ein EKG oder Ultraschall-Untersuchungen, bespricht die Ergebnisse mit Patienten und Angehörigen. Aber Stolte ist keine Assistenzärztin. Und auch keine Pflegekraft. Sie ist ein Physician Assistant oder zu Deutsch: eine Arzt-Assistentin.

Der Physician Assistant (PA) stellt in Deutschland ein relativ neues Berufsbild dar. Seit 2005 können Interessierte ein PA-Studium absolvieren. Laut Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants haben in Deutschland seit Einführung des Studiengangs rund 750 PAs das Studium abgeschlossen. Sie arbeiten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Hier unterstützen und entlasten sie Ärzte, indem sie von ihnen delegierte medizinische Aufgaben übernehmen.

Vielfältiges Einsatzgebiet

In der Praxis sind die Physician Assistants eine Schnittstelle zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal sowie den Patienten. Ihr Aufgabenfeld ist sehr vielfältig. Sie erheben zum Beispiel die Anamnese, führen körperliche Untersuchungen durch, unterstützen die Ärzte bei der Ausarbeitung der Diagnose und den Behandlungsplänen der Patienten. Sie assistieren bei Operationen: Desinfizieren den Wundbereich, lagern die Patienten, verschließen Wunden und können kleinere Eingriffe auch selbst vornehmen. Dazu erledigen sie administrative Aufgaben, übernehmen die Dokumentation und schreiben Arztbriefe. Auch bei der Kommunikation mit Patienten sind sie im Einsatz. Physician Assistants können mit Patienten und Angehörigen über Untersuchungsergebnisse und Therapiemöglichkeiten sprechen.

Das alles geschieht stets in enger Zusammenarbeit mit und unter Superversion durch den Arzt. Denn: Physician Assistants gehören zum Ärzteteam, sind aber selbst keine Ärzte. Sie können Diagnose- und Therapievorschläge machen. Die letztendliche Entscheidung – und damit auch die Verantwortung – bleibt beim Arzt.

Praxisnahes Studium

Physician Assistant ist ein akademischer medizinischer Beruf, dessen Abschluss in Form eines Bachelorstudiengangs erworben werden kann. Zurzeit bieten 14 Hoch- und Fachhochschulen Studiengänge zum Physician Assistant an. Das Studium ist in der Regel nicht an einen Numerus Clausus gebunden.

In der Regel dauert das Studium sechs Semester. Der Studiengang ist sehr praxisorientiert, das heißt, dass Vorlesungs- und Prüfungsphasen durch Praktika ergänzt werden. Manche Hochschulen bieten auch duale Studiengänge an, bei dem die Studierenden bereits während ihrer Ausbildung als PA arbeiten. Als Zulassungsvoraussetzung zum PA-Studium gelten in den meisten Fällen eine Hochschulzugangsberechtigung sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Manche Bildungsanbieter akzeptieren auch Bewerber ohne Hochschulzugangsberechtigung, wenn sie zum Beispiel neben einer Berufsausbildung auch mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen können.

Volle Flexibilität

Der Beruf des Physician Assistants ist besonders interessant für Menschen aus dem Gesundheitswesen, die sich weiterentwickeln möchten. Der Studiengang ist für Unternehmen und Einrichtungen auch eine Möglichkeit, Fachkräfte zu halten, da die Mitarbeiter sich neben dem Beruf weiterbilden und dann mit dem Studium neue Aufgaben erfüllen können. Vor allem aber bietet es für die zukünftigen PAs ein hohes Maß an Flexibilität, erläutert Marie Stolte: „Das PA-Studium gibt mir die Chance, mich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln zu können.“

Stolte hatte vor ihrem PA-Studium zunächst eine Ausbildung als operationstechnische Angestellte absolviert. Jetzt arbeitet sie in der Geriatrie. „Mit einem regulären Medizinstudium kann man nicht so einfach fachlich umschwingen“, erklärt sie. „Hier folgt auf ein sechsjähriges Studium meist eine fünfjährige Facharzt-Ausbildung und dann bleiben die Ärzte in der Regel bei dem eingeschlagenen Berufsweg. Als Physician Assistant kann ich hingegen – einmal ausgebildet – in vielen unterschiedlichen Fachbereichen arbeiten, ohne zusätzliche berufliche Qualifikation.“

Und wenn die Veränderung noch einmal größer ausfallen soll, gibt es sogar die Möglichkeit, ein Master-Studium anzuschließen. Master-Studiengänge speziell für Physician Assistants, bieten die Möglichkeit, bestimmte Fachbereiche zu vertiefen und sich dadurch noch weiter zu spezialisieren. jbr