Fit für Vorsorge

Masterstudiengänge im Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Wer Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) studiert, will Betriebswirtschaft und Gesundheitsvorsorge in Einklang bringen. Es geht um Arbeitsschutz, Eingliederungsmanagement und Gesundheitsförderung.

Der Patient hat starke Schmerzen – die Folge einer Darmverschlingung mit gleichzeitiger Brustfellentzündung. Er meldet sich krank, sein Chef alarmiert den eigenen Hausarzt, der die Behandlung übernimmt. Es ist Juli 1888, Industriepionier Werner von Siemens begründet das Betriebliche Gesundheitsmanagement der heutigen Siemens AG, indem er Dr. Friedrich Körte zum ersten Werksarzt ernennt. Über 130 Jahre später vereint das Programm Healthy@Siemens eine Vielzahl von Maßnahmen, Initiativen und Kursen rund um Themen wie psychosoziale Gesundheit, Ergonomie, Ernährung, Sport, medizinische Betreuung. Das Maschinen-, Energie- und Verkehrsunternehmen steht damit nicht allein: Die meisten Konzerne und größeren Mittelständler in Deutschland verfügen über ein professionelles BGM.

240 Millionen Euro geben die gesetzlichen Krankenkassen jährlich für Leistungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung aus, wie aus dem Präventionsbericht 2020 des GKV-Spitzenverbands hervorgeht. 2,3 Millionen Beschäftigte in 23.000 Betrieben werden so erreicht. Der Bedarf wächst, weil gesundheitliche Risiken, etwa im Bereich der psychischen Erkrankungen, zunehmen. Dem steht der Fachkräftemangel entgegen. Auch akademisch ausgebildete Betriebliche Gesundheitsmanager sind rar – vor allem weil es kaum einschlägige Studiengänge gibt.

Drei Säulen des BGM

Das Portal studienwahl.de der Bundesagentur für Arbeit findet unter „Gesundheitsmanagement“ 124 Angebote. Fast alle bereiten auf Tätigkeiten im öffentlichen Gesundheitswesen beziehungsweise in Kliniken oder Krankenkassen vor. Die Anwendung im Unternehmenskontext fristet ein Exotendasein. Hier sticht der Studiengang „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ der FOM hervor, der zum Abschluss Master of Science (M.Sc.) führt und die drei Säulen des BGM – Arbeitsschutz, betriebliches Eingliederungsmanagement, betriebliche Gesundheitsförderung – abbildet. Die Studierenden lernen, Gesundheitsdaten im Unternehmen zu erheben und auszuwerten sowie daraus Strategien für die Mitarbeiterführung abzuleiten. Das berufsbegleitende Studium kostet 10.500 Euro an Gebühren.

Während die FOM Präsenzveranstaltungen an Abenden und Samstagen durchführt, setzen andere Anbieter ganz auf Fernstudium. Die Rahmenbedingungen sind ansonsten fast identisch: Das berufsbegleitende Konzept kommt gerade Beschäftigten in der Gesundheitsbranche entgegen, die häufig Schichtdienst haben. Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium, manchmal auch erste Berufserfahrung. Die Studierenden sammeln nach dem europäischen Leistungspunktesystem in vier bis sechs Semestern 120 ECTS-Punkte, von denen jeder bis zu 30 Arbeitsstunden entspricht. Die Studiengebühren betragen zwischen 10.000 und 14.000 Euro.

Gute Aussichten

Die betriebliche Anwendung schlägt sich, wenn auch nicht an erster Stelle, in vielen Masterprogrammen nieder, etwa bei „Management im Gesundheitswesen (M.A.)“ der Hochschule Fresenius, Idstein / Köln, „Gesundheitsmanagement (M.A.)“ der IU Internationalen Hochschule, Erfurt, oder „Betriebliches Gesundheitsmanagement (M.Sc.)“ der SRH Fernhochschule – The Mobile University (health@work, 4/2021, S. 29). Die PFH Private Hochschule Göttingen bietet einen Schwerpunkt „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ im Fernstudium der Wirtschaftspsychologie an. Öffentlich-rechtliche Fachhochschulen mischen ebenfalls mit, so die Hochschule Osnabrück mit „Gesundheitsmanagement / Health Management (MBA)“.

Unternehmen, aber auch Krankenhäuser, Gesundheitsämter oder Versicherungen sind typische Einstiegsadressen für die Absolventen. „Die Karriereperspektiven reichen vom unteren Management bis zum mittleren Management und hängen auch von der persönlichen beruflichen Erfahrung des Einzelnen ab“, sagt Professor Dr. David Matusiewicz, Direktor des Instituts für Gesundheit & Soziales der FOM. „Darüber hinaus eröffnen sich interessante Möglichkeiten im Bereich von Entrepreneurship beziehungsweise Start-ups.“ Die Verdienstmöglichkeiten sind allerdings noch ausbaufähig: Nach Angaben der PFH Private Hochschule Göttingen verdienen Gesundheitsmanager und -berater zwischen 30.000 Euro und 65.000 Euro im Jahr. cst