1 Jahr Homeoffice - alles super oder was?

Wie war Ihr Homeoffice-Jahr 2020?

Für viele Beschäftigte existierte bereits lange vor Corona der Wunsch, auch mal im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Dies wurde dann mit Beginn der Pandemie und im Zuge des ersten Lockdowns im März 2020 quasi über Nacht möglich. Wenn betrieblich machbar, wurden Beschäftigte ins Homeoffice geschickt, oftmals ohne vorherige Klärung rechtlicher Grundlagen, technischer Lösungen und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung. Dies war auch nicht in solch kurzer Zeit machbar, da schnelles Handeln aufgrund der Infektionslage erforderlich war und Arbeitgeber entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen mussten.

Positive Erfahrungen

Wirft man einen Blick in die zahlreichen Homeoffice-Studien des letzten Jahres so wird deutlich, dass viele Beschäftigte gerade während des ersten Lockdowns diese „new experience“ positiv bewertet hatten. Gründe hierfür waren die Reduzierung der Anfahrtszeiten zur Arbeit, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, konzentrierteres Arbeiten durch weniger Ablenkung sowie mehr Zeit für Gesundheitsförderung.

Herausforderungen

Dem gegenüber stehen aber auch Herausforderungen, so zum Beispiel durch eine unzureichende ergonomische Arbeitssituation. Während das kurzzeitige Verwenden des Laptops am Wohnzimmertisch oder auf der Couch noch für das Muskel-Skelettsystem verkraftbar sind, werden jedoch längere Arbeitszeiten zum Problem. In einer Studie der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement im Juli/August 2020 bemängelten die Teilnehmer (N=340) vor allem den Stuhl, Tisch und Bildschirm. Es fehlt zuhause die Höhenverstellbarkeit des Tisches, und auch der Laptop-Bildschirm ist nicht vergleichbar mit dem im Büro. Zwischenzeitlich haben Beschäftigte ihr Homeoffice auf eigene Kosten ergonomisch optimiert, zum Teil auch unterstützt durch den Arbeitgeber. Neben der Ergonomie zeigten sich in der Studie auch die Herausforderung des Social Distancing, also das Fehlen sozialer Kontakte durch Kolleg/innen sowie auch im Freundes- und Familienkreis. Im zweiten Lockdown, der sich über die kompletten Wintermonate erstreckte, wurde diese Auswirkung noch verschärft. Während es bereits vor Corona im Herbst/Winter eine saisonale Depression gab, so verstärkte sich diese durch die Pandemie umso mehr. In der Sonderauswertungen der DAK und Techniker Krankenkasse zeigte sich ein Anstieg der psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Anpassungsstörungen.

Konsequenzen für die betriebliche Gesundheitsförderung und das Gesundheitsmanagement (BGM)

Die beiden bisherigen Lockdowns brachten auch die Aktivitäten zur Prävention und Gesundheitsförderung in den Betrieben zum Erliegen. Die aktuell sinkenden Inzidenzen erwecken nun die Hoffnung, auch die betriebliche Gesundheitsförderung wieder reaktivieren zu können. Während des vergangenen Jahres fanden lediglich vereinzelt Maßnahmen mittels digitaler Lösungen statt. Viele BGM-Dienstleister haben zwischenzeitlich Angebote zu Bewegungs-/Fitnessprogrammen, Stressmanagement/Resilienz-Coaching, Yoga und auch zur Ergonomieberatung für Beschäftigte im Homeoffice über Videokonferenzsysteme entwickelt. Dieser Trend wird auch weiterhin anhalten, da BGM zukünftig stets in hybrider Form umgesetzt werden wird. Hierbei werden für Beschäftigte, für die tätigkeitsbedingt ein Homeoffice nicht in Frage kommt, weiterhin Maßnahmen auch vor Ort in Präsenz angeboten, die Kolleg*innen im Homeoffice werden mit digitalen Angeboten für die unterschiedlichen Formen mobilen Arbeitens versorgt. Eine wesentliche Erkenntnis aus der Pandemie ist zudem, dass die Stärkung individueller Ressourcen, unter anderem durch Kompetenzerwerb, eine deutlich größerer Rolle als bisher einnehmen wird.